Literaturhaus: Reinhold Tritscher spielt Stück nach Dostojewskij

Alles im Eimer (?)

Selten war ein Mann so im Eimer. Einen solchen hat Reinhold Tritscher, der für Idee und Umsetzung der Erzählung „Der Traum eines lächerlichen Menschen“ von Dostojewskij als Ein-Mann-Stück verantwortlich zeichnet, als Auftrittsgag über den Kopf gestülpt. Wie sich ein Mann aus diesem äußerst beschränkten Horizont herausarbeitet, davon handelt dieser Abend.

Der Antiheld schildert dem Publikum unter Wehen, psychosomatischen Anfällen, durch verdrehte Turnerei mit Möbelstücken seine tiefe Wandlung von einem, der zu allem „nein“ sagt, zu einem der „ja“ zum Leben, zum Guten sagt. Die Welt, sein Bewusstsein sind für ihn ein Traum, der mit dem Tod verschwindet. Wann dieser eintritt, spielt nach dieser Auffassung keine Rolle, er entschließt sich zum „Selbstmord“. Um sich nochmals seine Gleichgültigkeit gegenüber jeglichem Wertgefühl zu beweisen, begeht er ein unfassbare Gemeinheit an einem hilfesuchenden Kind. Doch genau das bringt sein Weltbild ins Wanken.

Ihm träumt von einer Dante´schen Reise in ein Paradies, eine Art ökologisches, urkommunistisches Utopia, wo es keinen Unterschied zwischen Schein und Sein gibt, aus dem er aber durch sein Verhalten eine Hölle macht. Aus dem Traum erwacht, will er hinausgehen in die Welt und als „Gottesnarr“ die Heilsbotschaft der Liebe verkünden. Der am meisten verneint, ist möglicherweise der, der am eifrigsten sucht. Egal, was der Mensch auch tut, er bleibt ein lächerlicher Winzling. Trotzdem darf er nichts unversucht lassen, zu wachsen.

Reinhold Tritscher gelingt es mit feurig-furiosem Einsatz, den Zwiespalt zwischen äußerlicher Lächerlichkeit und alles andere als lächerlicher Aussage aufzuzeigen. Dieses „Theater ecce“-Projekt ist Dostojewskij und einer Sucht und Suche besessenen Persönlichkeit sehr angemessen. Der Besuch lohnt sich (noch heute und morgen, 20 Uhr),

Nikolai Janatsch
 

Traum -Text4