Reinhold Tritscher setzt als „lächerlicher Mensch“ behutsam sprachliche Akzente. Wird depressiv leise, dann wieder aggressiv laut. Die Szene des eigentlichen Traumes wirkt überzeugend realistisch. Er liegt im Sarg und träumt von seiner Beerdigung. Und wie er wieder aufwacht. Tritscher liegt mit dem Kopf auf dem Tisch, mit den Füßen legt sich darauf, windet sich wie im eigenen Gedärm.
Im Hintergrund läuft „Dark side of the moon“ von „Pink Floyd“. Die düsteren Seiten halten ihn gefangen. Er zieht sich fast ganz aus und geißelt sich mit dem Bodenfeger. Vor ihm läuft die traurige Geschichte der Menschheit ab. Von Kriegen und Ausbeutung, von Verlogenheit und falschen Moralvorstellungen, die der Menschheit das Elend brachten. Reinhold Tritscher glänzt als geistig Verwirrter und Verirrter auf dem blanken Eis menschlicher Wertvorstellungen und rutscht bei jedem Versuch aufzustehen aus. Bizarr sind seine Ideen von der Dringlichkeit seiner Auslöschung. Die Lächerlichkeit zwingt ihn dazu. Wie Jesus am Kreuz breitet er die Arme aus. An den Füßen die Gummistiefel. Man hat ihn symbolisch längst angenagelt. Ans Kreuz seiner Lächerlichkeit.
Dostojewskijs Text wurde nicht verändert, nur gekürzt. Ein erstklassiges Stück Literatur, das sich Reinhold Tritscher ausgesucht hat. Ihm liegen diese Irrfahrten eines menschlichen Geistes. Der kleine Mann trägt die Hauptlast der Welt auf seinen Schultern. Als Fantast ist er zum Untergang verurteilt.
Der „lächerliche Mann“ befindet sich in stürmischer Bootsfahrt auf dem Styx und gelangt nicht ans Ufer des Jenseits. Gestik und Mimik Tritschers ließen auch ironische Momente aufblitzen. Gut abgestimmt war die Choreografie. Dem Wahnsinn pinkelte die Satire ans Bein. Schließlich gibt es immer den Gegenpol. Als verhinderter Selbstmörder macht er sich auf die Suche nach jenem Mädchen, das er von sich stieß. Im plötzlichen Dunkel erstarrt die Suche und das Stück.
Ein nicht leicht verdaulicher Happen, den man langsam schlucken sollte. Am besten runterspülen mit einem kräftigen Schluck Selbsterkenntnis.
Reinhold Tritscher wird mit dieser Produktion (künstlerischer Begleitung Gerard Es; Kostüm: Margret Litzlbauer; Choreografie: Ulf Kirschhofer) auf Tour durch Salzburg und Oberöstereich gehen. Unter anderem wird er auch in Neumarkt auftreten.
Die genauen Termine stehen noch nicht fest. Das Theater Ecce ist ein freies Theaterensemble Salzburger Schauspieler. Unkonventionell und tiefsinnig. Durchs Land ziehende Gaukler und Botschafter fantasievoller Literatur. „Am liebsten“, sagt Tritscher, „spiele ich im Freien, in Innenhöfen, auf Dorfplätzen. Im Volk.“
Christian Weingartner